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Angst.

Rückzug aus dem Leben.


Wie du Kraft findest, wieder aus dem Dunkel zu steigen.

Was du als FreundIn tun kannst.



Heute möchte ich eine sehr persönliche Geschichte mit dir teilen. Als ich meine Schwangerschaft spürte, änderte sich mein Leben mit einem Schlag. Ich war gerade mitten in der Renovierung unseres alten Vierkanters. Schwere körperliche Arbeit, lange Arbeitszeiten, die Leitung eines Kinderhorts. Ich hatte mir lange nicht erlaubt, bei diesen vielen Aufgaben, auch nur den Wunsch zu hegen, ein Kind zu bekommen.


Ich freute mich sehr und gleichzeitig stiegen wahnsinnige Ängste in mir auf.

Durch die Risikoschwangerschaft musste ich sofort alle Arbeiten einstellen. Ich Arbeitsviech war plötzlich ohne körperliche Tätigkeit. Plötzlich fühlte ich mich hilflos, schutzlos und ausgeliefert (ich konnte es ja nicht selbst machen). Ich zog mich zurück. Ich hatte Angst, von meiner Schwangerschaft zu sprechen, weil ich nicht wusste, ob ich einen möglich Verlust meines Kindes verkraften würde.


Dann kam der erste Lockdown 2020 und all die globalen Ängste, die er mit sich brachte. Ich war hochschwanger in dieser Zeit. In der 36. Woche entschied ich mich für eine Hausgeburt. Es war die beste Entscheidung meines Lebens. Mein Kindi kam sicher auf der Welt an.

Doch danach wurden die Ängste noch größer. Für meine Freunde war ich nicht mehr vorhanden.

Ich zog mich komplett zurück.

Nicht, weil ich es absichtlich wollte, sondern weil mich allein schon der Gedanke an ein Treffen, an eine geplante Abmachung, überforderte. Ich war komplett eingenommen von meiner neuen Mamarolle und hatte gleichzeitig die überwältigende Angst, mein Kind nicht versorgen zu können. Was das in meinem Körper und in meiner Gedankenwelt auslöste, brauche ich, glaube ich, nicht näher zu beschreiben.

Dunkelgrau.


Der Weg aus dem Dunkel. Veränderung geschieht.


Ich schreibe das hier, weil du vielleicht auch gerade in so einem dunkelgrauen Gefühl feststeckst oder stecktest.

Der Weg aus der Angst führt direkt durch sie hindurch, nicht daran vorbei.

Er ist gangbar. Er schmerzt. Er führt direkt in deine verdrängten Traumata und Erlebnisse. Er schenkt dir gleichzeitig Ressourcen, Einsichten und Kräfte, die du nur dadurch erlangst. Durchs Zerbrechen. Durch die Anerkennung dieses Zustands. Durch das Sein-Lassen. Du bist so tief in deinem Inneren, dass du für die Außenwelt fast ungreifbar wirst.


Hol Hilfe.


An dieser Stelle will ich dir sagen, dass es unendlich wichtig ist, dir Hilfe zu holen. Sprich über deinen Zustand, wenn du aus dem Gedankenkreiseln nicht mehr heraus kommst! Entweder mit deinen engsten Personen oder mit einer professionellen Instanz.

Ich war in dieser Zeit nicht einmal fähig zum Seelenflug, aber, so schwer ich mich auch überwinden konnte, so wichtig war besonders ein Gespräch mit einer Stillberaterin, in der ich plötzlich eine Kindheitsangst - in Verbindung mit meiner mittlerweile verstorbenen Schwester - identifizieren konnte. Die Angst hatte nun ein Gesicht und ich hatte einen neuen Impuls, mit dem ich an mir arbeiten konnte. Und langsam fand ich den Weg aus dem Dunkel. Als ich wieder fähig war, zu arbeiten, wurde dies und mein Kindi meine Motivation für meine Selbstständigkeit mit HerzensKUNST. Du siehst, das alles ist noch gar nicht so lange her.


Mut.


Ich schreibe dies nicht als Seelenstriptease, sondern weil ich dich ermutigen will, deine Veränderung aktiv zu leben. Die Scham und ihre Monster verlieren ihren Schrecken, wenn du über sie sprichst. Nichts bleibt gleich. Niemals.

In jedem Moment erneuert sich dein Körper, du bist reicher um all die abertausenden Gedanken und Gefühle, die du täglich empfindest und du wächst, auch wenn es dir rational nicht so scheint, weil sich die Vergangenheit ständig in deinem Gedankenkreiseln wiederholt.

Es ist eine Projektion aus der Vergangenheit. Ein Schutz und eine Hilfestellung, um Verletzungen ausheilen zu können, die schon sehr alt sind, nun aber neu ausgelöst wurden. Deine Seele will sich entfalten und lernen. Und du, als Menschlein, fühlst dich oft diesem unerklärlichen Spiel ausgeliefert.


Was du selbst tun kannst.


  • Gib dir Zeit. Zeit ist deine Freundin. Sie hilft dir, dein Gefühl auszudehnen und deine Gedanken zu ent.wickeln.

  • Du brauchst diesen Zustand nicht zu lösen. Anerkennung ist der erste Schritt. Mein Text dazu hier. <<

  • Wenn du die Angst aufsteigen spürst und nichts mehr geht – Atme. Einatmen. Ausatmen. Rauf. Runter. Rein. Raus. Diese rudimentären Vorgänge beobachte. Du brauchst dich zu keiner (positiven) Affirmation zu zwingen!

  • Hol dir Hilfe.

  • Sprich darüber!


Wie du als FreundIn unterstützen kannst.


  • Sei aufmerksam, wenn sich ein/e FreundIn nur noch selten bis gar nicht mehr meldet.

  • Ruf an, statt zu schreiben.

  • Im Notfall geh nachschauen, aber dränge nicht zum Spontanbesuch.

  • Bleib dran, aber übe bitte keinen Druck aus.

  • Nimm das Verhalten bitte nicht persönlich! Es ist keine Ablehnung dir gegenüber, sondern Überforderung. Alle Ressourcen werden genutzt, um zu überleben.

  • Unterstütze sanft. Vielleicht bringst du ein gutes Essen vorbei, hilfst beim Aufräumen oder bietest an, einfach zuzuhören. Hör einfach zu, ohne Ratschläge zu erteilen, das ist Gold für eine verletzte Seele.

  • Erkenne an, ohne retten zu wollen.

Stärke kommt nicht aus der Bezwingung von Herausforderungen, sondern aus der Anerkennung derselben.

So kannst du integrieren, statt dich zu trennen und vielleicht sogar noch Seelenverlust zu erleiden.


Und unsere Stärke als Mensch kommt aus der Verbundenheit – im sozialen Gefüge und zu dem Großen Ganzen, dessen Teil wir sind.


Doch wie groß ist ein Teil der Unendlichkeit?

Wie lange dauert ein Wimpernschlag der Ewigkeit?

...


Ja genau.


Viel Kraft und Lebensmut für dich,

von HerzensKUNST,

deine Beate Helene