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Du musst es nicht lösen!

Vom Gedankenkreiseln und der Kluft zwischen Pflicht und Erfüllung.


Vielleicht bist du mitten in der Nacht mit Gedankenkreiseln aufgewacht. Du kannst dich scher auf eine Sache konzentrieren. Du igelsz dich ein. Vielleicht vergisst du öfters wichtige Dinge. Natürlich gibt es die kleinen glücklichen Momente in deinem Leben, aber immer wieder taucht dieses Problem mit Vehemenz in deinem Geist auf. Du fühlst dich konsumiert und belastet.


Das rührt oft daher, dass dein Geist damit beschäftigt ist, eine Lösung für dein Problem zu finden. Ziehen wir einen Vergleich zum Arbeitsspeicher eines Computers, dann wäre dieser voll ausgelastet mit Rechnungsprozessen. Dein Gerät wird langsamer, stürzt vielleicht immer wieder ab. So gehts dir auch mit deinem Verstand, wenn du versuchst, ihn wie einen Computer zu gebrauchen. Du bist aber kein Computer!


„Aber das sagen doch alle. Es gibt für alles eine Lösung!“

Natürlich gibt es das, wenn du deine Definition vom Begriff „Lösung“ erweiterst! Lösung heißt in den meisten Fällen eben nicht „Abhaken und Weitermachen“. Lösung im wörtlichen Sinne heißt „nicht mehr anhaften“. Du löst dich gewissermaßen von den gedanklichen Einbahnstraßen und gewinnst dadurch Abstand von deinem Problem.

Es ist, als ob du deine Herausforderung wie einen Stein mit dir herum trägst. Ist es ein großer Stein, brauchst du beide Hände und große Kraft, um es herum zu schleppen. Legst du diesen Stein vor dir ab, löst du dich von ihm. Der Stein ist immer noch da, aber du hast nun beide Hände frei, bist wieder handlungsfähig.


Wie das funktioniert.


Beobachte.


Es beginnt zuallererst in deinem Kopf!

Im Laufe eines Tages denkst du tausende Gedanken. Es ist rein menschlich, dass davon mindestens zwei Drittel aus Problemdenken bestehen. Das ist ein wichtiges Überlebensfeature. Was aber darüber hinaus geht, sind die vorher beschriebenen Gedankenschleifen, die meistens eine Angst oder Unzulänglichkeit im Fokus haben.


Ein Beispiel:

Früher gingst du richtig gerne in deine Arbeit, das hat sich in den letzten Jahren massiv geändert. Die kollegiale Gemeinschaft ist fast nicht mehr vorhanden. Die Arbeit wird gefühlt immer mehr. Du fühlst dich oft alleingelassen mit Unsicherheiten. Jeder versucht, seine Schäfchen ins Trockene zu bringen, auch wenn es auf Kosten der anderen geschieht. Dein Job hat dir zwanzig Jahre lang einen angenehmen Lebensstandard ermöglicht. Gerade jetzt hörst du immer wieder, wie glücklich du dich schätzen kannst, einen sicheren Job zu haben.

„Ich BIN aber nicht glücklich“, willst du diesen Menschen ins Gesicht schreien. Aber du nickst, „Ja eh“. Und deine Gedanken beginnen zu kreisen.

"Ich sollte, bin aber nicht.

Ich bin sicher, aber todunglücklich.

Ich kann mir leisten, was ich will – aber was ich will, kann ich nicht kaufen.

Was will ich eigentlich? Hab ich zu hohe Ansprüche? Die anderen machens doch auch. Ich kann da nicht weg. Aber ich will da weg..."


Dieser Dialog mit dir selbst spinnt sich immer weiter, manchmal kommen Ideen, die du wieder verwirfst.

Es ist eine große Diskrepanz entstanden zwischen dem, was du tust und dem, was dich glücklich macht.

Genau diese Kluft zwischen Pflicht und persönlicher Erfüllung löst innere Konflikte aus, denen du dich hilflos gegenüber siehst. Es ist, als ob sich eine unüberwindliche Schlucht zwischen dir und deinem Ziel aufgetan hat.


Stehst du vor dieser Kluft, erscheint dir dein Ziel unerreichbar.

Fazit:

Du hast deine Gedanken beobachtet. Sie kreisen immer wieder um dein Problem. Du willst etwas verändern. Du hast keine Ahnung wie.


Gib dir die Erlaubnis.


Kennst du den Film „Der Ja-Sager“ mit Jim Carrey? Durch magische Umstände wird er gezwungen, zu jeder Gelegenheit „ja“ zu sagen. Dadurch entstehen anfangs viele Konflikte, der Charakter wächst an ihnen und letztendlich führt es zum „Happy End“. Dies ist die komödiantische Hollywood Version einer sehr tief gehenden Reise zum menschlichen Grundbedürfnis Anerkennung!


Du bist gewohnt, Anerkennung im Zusammenhang mit deiner Arbeitsleistung, deinem Aussehen oder einem Besitztum zu erhalten. Von außen. Das geht vom zugewandten Nicken, bis hin zu Lob und offener Bewunderung. Das gibst du dir auch selbst, „gut gemacht, Beate, wie du das geschafft hast“. Du lobst dich für eine Leistung.

Auch das ist dir sicherlich vertraut.

Anerkennung ist jedoch gleichzeitig der erste aktive Schritt in die Veränderung.

Es geht um die Anerkennung dessen, was ist!

Das bedeutet:

Du sagst ja zu deiner Situation.

„Ja, ich arbeite zu viel. Ja, ich habe kein Vertrauen mehr zu Kollegen XY. Ja, ich will, dass es wieder so wie früher ist. Ja, ich verdiene gutes Geld.“

Du sagst Ja zu deinen Gefühlen.

Lass an dieser Stelle doch einfach mal den vermeintlichen Grund weg.

„Ja, ich fühle mich traurig. Ja, ich bin deprimiert. Ja, ich stehe unter Druck und bin überfordert.“


Wichtig! Das ist kein Schönreden! Das ist keine Suche nach Ausflüchten und Entschuldigungen. Und ganz und gar ist es nicht „gut so, wie es ist“. Ganz im Gegenteil.


Du darfst hier in die Vollen greifen. Spür dich hinein und mach dir das Ausmaß deiner Gefühle bewusst. Lass deine Wut aufsteigen. Auch Tränen dürfen fließen. Trauer kommt auf. Sie ist ein essentieller Teil dieses Prozesses.

Spürst du Trauer in dieser verwirrenden Situation, weißt du, dass du dich innerlich verabschiedest. Wikipedia schreibt dazu: „Trauer ist eine durch einen schwerwiegenden Verlust verursachte Gemütsstimmung, die etwa durch den Verlust einer geliebten oder verehrten Person, durch einen ideellen Verlust oder die Erinnerung an solche Verluste hervorgerufen wird.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Trauer

An diesem Punkt kehren die meisten Menschen um. „Reiß dich zusammen, wird schon werden, mach kein Drama draus, wird schon wieder anders...“ Und genau diese Affirmationen lösen ein neues Gedankenkarussel aus – weil du nicht anerkennst, was ist.


Natürlich ist dies keine angenehme Situation. Es zerreißt schier das Herz, sich in so einer vertrackten Situation wieder zu finden. Die dann auch noch anzuerkennen, verlangt großen Mut. Denn es mag bedeuten, dass dir bewusst wird, wie viele Jahre du dich schon zwingst, einen Weg zu gehen, der nicht mehr deiner ist. Es mag bedeuten, dass du erkennst, wie lange du deine Gefühle missachtest, dich vielleicht sogar innerlich beschimpft und abgewertet hast. Nun sitzt du da, im gefühlten Scherbenhaufen.


Achte darauf, WIE du über dich denkst.


Das Bild des Scherbenhaufens klingt ziemlich abschreckend, wenn du daran gewöhnt bist, nicht auf dich Rücksicht zu nehmen und zu funktionieren. Aber genau diese Bestandsaufnahme zeigt dir den Ausgangspunkt, von dem du dich verändern kannst.

Was an dieser Stelle wirklich wichtig ist:


Achte auf deine inneren Stimmen.


Gerade nach solchen (scheinbar schrecklichen) Erkenntnissen ist es wichtig, dich nicht selbst zu geißeln mit Vorwürfen und Selbstbestrafungen. Das passiert leichter, als du denkst, deswegen erwähne ich es hier ganz bewusst!

Alles, was du vor der Bewusstmachung getan hast, geschah, weil es das Beste war, das dir damals eingefallen ist.

Damals wusstest du nicht, was du heute weißt.

Damals ist vorbei.

Verliere nicht kostbare Kraft durch weitere Selbstzerstörung. Natürlich passiert sie, deine Gedanken sind manchmal ziemliche Monster (Arschlöcher!) und „innere Scharfrichter“. Bist du aber auf sie vorbereitet, kannst du auch diese anerkennen.

„Ja, ich denke diesen Gedanken – ich BIN NICHT dieser Gedanke!“ Du löst dich damit aus der Identifikation. Hast nun sprichwörtlich deine Hände frei, nachdem du den Stein abgelegt hast.


„UND“ statt „trotzdem“


Inkludiere deine Gefühle.

Schaffe keine weiter innere Opposition („Ich bin gerade s