Hast du deine Murmeln beisammen?

Seelenverlust - oder warum es wichtig ist, auf deine Murmeln aufzupassen



Es mag vielleicht etwas humorvoll anmuten, wie ich meine Sichtweise des Themas „Seelenverlust“ schildere, aber dieser Vergleich beschreibt meine Sicht der Dinge ziemlich treffend.

Da ich mich in letzter Zeit immer wieder mit unterschiedlichen Definitionen dieses, in schamanischem Kontext oft verwendeten Begriffes, konfrontiert sehe, möchte ich folgenden bildhaften Vergleich zum Besten geben. Dazu sei gesagt, dass es sich um meine persönliche Wahrnehmung und Erfahrung handelt, die gleichauf mit unzähligen anderen Wahrhaftigkeiten existiert. Kein Anspruch auf Allgemeingültigkeit!


Die Seele und ihre Anteile.

Stell dir bitte einmal die Seele als Menschen vor. So wird es greifbarer.

Ein Mensch ist im Prinzip normalerweise und von Natur aus unzerteilbar - ohne Schaden zu verursachen, jedoch hat er körperliche und geistige Organe, die ihm das Leben ermöglichen.

So betrachte ich auch die Seele als untrennbare Einheit mit vielen Facetten.


Der Mensch trägt immer ein Beutelchen mit Murmeln bei sich, nehmen wir an, das sind seine Seelenanteile. Sie gehören ihm, haben eine einzigartige Farbe, ein bestimmtes Gewicht, eine bestimmte Größe. Niemand sonst hat genau die gleichen Murmeln wie er.


Das Spiel.

Begegnet dieser Mensch einem anderen Menschen, so kann es sein, dass die beiden miteinander spielen wollen.

Sie packen ihre Murmeln aus, bewundern oder kritisieren sie, lassen sie zusammen prallen und und und… manchmal ist es ein gutes, faires Spiel und man spielt gerne öfters miteinander, manchmal kann man sich nicht einigen, manchmal betrügt man einander, manchmal beginnt man zu streiten – wie das beim Spielen eben so vorkommt.


Der Verlust.

Manchmal mag es passieren, dass der Mensch eine Murmel verliert, weil er auf dem Weg stolpert, sein Beutelchen aufplatzt oder eine Murmel durch die Erschütterung heraus springt. Im besten Falle merkt er dies relativ bald, nachdem er wieder aufgestanden ist, entweder weil er die Anzahl gleich überprüft, er die Murmel wegspringen sah, oder weil das Gewicht des Beutelchens nicht mehr stimmt.


Dann wird dieser Mensch seine nächste Umgebung genau absuchen, unter jedes Grasbüschel schauen, bis er seine fehlende Murmel wieder gefunden hat. Ist er bereits weiter gegangen, bemerkt er möglicherweise erst beim nächsten Murmelspiel mit einem anderen die fehlende Murmel, weil er seinem Mitspieler gegenüber plötzlich im Nachteil ist.

Dann gilt es sich zu erinnern, wo er diese Murmel verloren haben könnte, sich zu erinnern an Zeit und Ort, und wieder dahin zurückzukehren und seine Murmel einzusammeln.


Manchmal passiert es, dass ein Mitspieler einfach eine Murmel mitnimmt, weil sie ihm besser gefällt als die eigene.

Manchmal passiert es auch, dass man Murmeln bewusst oder unbewusst vertauscht, vor allem, wenn es ein chaotisches Spiel ist, in dem beide Spieler ihre Murmeln schlecht voneinander unterscheiden können, weil sie sie schon länger nicht genau betrachtet haben. In diesem Fall vergeht oft mehr Zeit, bis der Mensch aufmerksam wird, dass da in seinem Murmelbeutelchen etwas nicht stimmt. Irgendwie mag sich das Gewicht nicht richtig anfühlen, vielleicht ist das Beutelchen plötzlich schwerer oder leichter, als er es kennt. Schwierig ist es auch, wenn er nur flüchtig zählt, aber die Anzahl der Murmeln korrekt ist.


Die Reflexion.

Da heißt es dann, sich jede einzelne Murmel genau anzusehen und nachzuschauen, welche nicht dazu passt.

Wodurch auch immer sie sich von den eigenen Murmeln unterscheidet – Gewicht ? Farbe? Größe? – Nimmt der Mensch jede Murmel in seine Hand, erkennt er den Unterschied durch genaue Beobachtung und durch das Erfühlen des Gewichtes oder der Größe. Das braucht natürlich etwas Zeit, aber weil der Mensch wieder gute Chancen beim Spielen haben möchte, ist es ihm wert, darauf Zeit zu verwenden.

Früher oder später findet er die fremde Murmel und dann heißt es sich zu erinnern, wer solche Murmeln hatte. Manchmal besucht der Mensch dann seine letzten Spielgefährten und bittet sie, ihm ihre Murmeln noch einmal zu zeigen.

Meist ist der andere Mensch, der die Murmel genommen hat auch sehr erleichtert, dass er sie wieder gegen seine eigene Murmel tauschen kann, da – auch wenn die fremde Murmel vielleicht ästhetischer ist – sie trotzdem sein Spiel stört, weil er damit immer anders spielen muss, als mit seinen gewohnten Murmeln. Im Endeffekt hat er dadurch auch schlechtere Chancen.


Die Rückholung.

Manchmal braucht es erst klärende Worte und längere Verhandlungen. Sie sprechen miteinander so lange, bis ein Mensch versteht, was der andere sagt. Meist geschieht der Rücktausch in dieser Erkenntnis und Versöhnung.

Beide Menschen verstehen dann, dass sie mit ihren eigenen Murmeln am erfolgreichsten spielen können und testen dies ein paar Mal, ob es wirklich stimmt. Wenn sie wieder Spaß und Erfolg dadurch beim Spielen haben, können auch die Wehmut und der Neid vergehen, die vorher vielleicht bestanden haben.


Es geht nicht um die aktive Vermeidung von Seelenverlust.

Im Laufe des Lebens und der vielen Spiele, die man spielt, kann es passieren, einmal die eine oder andere Murmel zu verlieren. Nicht die strikte Vermeidung des Verlustes ist anzustreben, denn er kann trotz gebotener Achtsamkeit passieren. Man will ja auch nicht sein ganzes Leben mit Murmelsuchen oder im Abseits der Vermeidung verbringen.


Selbst und Erkenntnis - die Suche.

Wichtig ist nach der Erkenntnis, dass dir etwas fehlt, auf die Suche danach zu gehen und deine Murmel wieder zurück zu holen. Nicht mit Gewalt, denn da verlierst du möglicherweise sogar noch mehr Murmeln, wenn das Beutelchen zerreißt.

Wohl aber liegt es in der Natur deiner Seele, sich zu vertragen und mit anderen zu kommunizieren.


Wenn man einander respektvoll begegnet.

Wenn man sich Zeit nimmt für die Geschichte, die damit verbunden ist.

Wenn man hört, was gemeint ist und nicht, was man verstehen will.

Wenn man in Beziehung geht,

ist das Zurückholen kein Problem mehr, jedoch kann es meiner Meinung nach in letzter Instanz nur von dem Menschen – von der Seele selbst - vollzogen werden, damit es wahrhaftig und selbst erfahren ist.


Meine Inspiration zum Murmelgleichnis: Die Geschichte von Peter Pan lehrt schon in ihrer einfachen und liebenswerten Art und Weise, dass es wichtig ist, seine Murmeln beinander zu haben. Ihr erinnert euch vielleicht an den alten Onkel Tootles in der Verfilmung mit Robin Williams, der seine Murmeln nicht mehr beisammen hatte und sich dadurch nicht mehr erinnern konnte, wie das Fliegen geht.


So wünsche ich uns allen ein spannendes Weiterspielen,

Eure Beate Helene

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